Portrait Antonia Nork

Dokumentation meiner Darstellungen

Erst bei sensibler Wahrnehmung erschließen sich die zum Teil überlagerten und versteckten Figuren. Ihr Ausdruck ist verschlossen, sie entziehen sich dem Blick von außen. Sie vermitteln den Eindruck von Isolation und ausschließlicher Selbstbezogenheit. Sie weisen ab und scheinen gleichzeitig anzuziehen. Malerisch suche ich einen Weg, der sowohl Zeichnung als auch Fläche und Farbe spannend verbindet. Ich lege die Elemente bewusst nicht realistisch an, sondern lasse jede Komponente eigenständig schwingen. Meine Darstellungen zerlegen sich auf diese Weise fragmentarisch. Im Ganzen zeigt sich eine grundsätzliche Ambivalenz: Bewegung und Ruhe, Klarheit und Verfremdung, Dichte und Auflösung, Geschlossenheit und Öffnung, Distanz und Nähe, Chaos und Ordnung.

Meine Figuren scheinen in einer eigenen Realität zu existieren, in der weder klare Grenzen noch Konturen existieren. Sie scheinen zu verschwinden in einer Welt, die zwar von Leben, Farbe und Vielseitigkeit erzählt, die sich aber dem Verständnis des Betrachters nicht ohne Weiteres erschließt und zunächst Verwirrung stiftet. Sie lösen eine Suche aus denn sie „leben“ in Strukturen, die schwer zuzuordnen sind und nur bei genauer und aufmerksamer Beobachtung geahnt oder gesehen werden. Der Betrachter muss sie zulassen um sie zu erkennen. Er muss sie finden wollen.

Ich will mit meinen Bildern menschliche (vor allem weibliche) verborgene Seelen freilegen. Ich will zwischenmenschliche Authentizität und Wahrhaftigkeit während des Entstehungsprozesses erleben. Ich will weibliches Unsichtbar sein, Einsamkeit und Isolation, aber auch ungebeugte und eigenständige Kraft erfühlen, erkennen, erleben und zeigen. Die Bilder entstehen in einem emotionalen und malerischen Suchprozess, der mit einer ersten Phase vor dem lebenden Modell beginnt. Im Folgenden arbeitet er auf der phantasierten Beziehungsebene. Er entspricht der Suche nach echter und relevanter menschlicher Verbindung in der realistischen Begegnung.

Die malerische Vorgehensweise ergibt sich spontan und aus dem Prozess. So wähle ich auch das Material spontan und intuitiv. Ich arbeite sowohl mit herkömmlichen malerischen Mitteln, als auch mit Dingen des täglichen Gebrauchs: Holz, Baustoffe, Abfall oder Fragmente meiner Arbeiten. So entsteht jedes Mal eine andere Perspektive. Ohne Plan ergibt sich ein dynamischer Arbeitsprozess, bei dem sich Zufall und Zielorientierung abwechseln.

Ich versuche mich von bekannten und gelernten Darstellungsweisen zu lösen und einem inneren, maximal emotional motivierten Rhythmus zu folgen. Letztlich ist es eine Suche nach meiner inneren Wahrheit, nach der Wahrheit meiner Figuren und nach einer Verbindung dazwischen anhand malerischer Möglichkeiten. Im Ergebnis wird (idealer weise) eine aus Fragmenten bestehende organische und bewegte Ganzheit erreicht, die sowohl aus der Kombination verschiedener Trägermaterialien besteht, als auch aus verschiedenen Schichten, die unterschiedliche Darstellungs – und Herstellungsweisen beherbergen. So hüten die Bilder anhand ihrer „Historie“ Geheimnisse, die sich manchmal in überraschender Weise zu einem späteren Zeitpunkt wieder offenbaren, während andere für immer darin verborgen bleiben.

Während ihrer Entstehung erhalten die Figuren zunehmend eine ureigene Beschaffenheit, die im Ergebnis eine neue Realität und eine eigene Ästhetik erreicht. Mit versehrten und verschütteten Inhalten, mit Spuren und Narben existiert schliesslich eine Wahrheit, die faszinierender ist als glatte und perfekte Oberfläche. Im Ganzen entwickelt sich ein komplexes und geheimnisvolles Gebilde, dass dem der menschlichen Seelen gleicht. Der Weg dorthin ist eine Suche, die mit der Bereitschaft beginnt sich dem Bann der Figuren zu stellen und mit dem Mut sich ihnen zu nähern. Das gilt sowohl für mich und meinen Arbeitsprozess, als auch für den jeweiligen Betrachter.